Finger tun weh beim Gitarre üben
Video: In dieser kurzen Gitarrenlektion erkläre ich, warum die Fingerkuppen am Anfang weh tun können und woran du erkennst, ob deine Technik angepasst werden sollte.
Ist es normal, dass die Fingerkuppen weh tun?
Wenn dir am Anfang beim Gitarre üben die Fingerkuppen weh tun, ist das meistens normal – besonders bei Stahlsaiten auf Western- oder E-Gitarre. Die Finger müssen sich erst an den punktuellen Druck der Saiten gewöhnen. Nicht normal sind dagegen stechende Schmerzen im Handgelenk, Taubheit oder Schmerzen im Ellenbogen.
Gerade als Anfänger musst du dich auf so einige Hürden beim erlernen deines Instrumentes einstellen. In meinen zahlreichen Crashkursen kam recht oft die Frage ob schmerzende Finger oder gar Taubheit "normal" sei. Das kommt natürlich auf verschiedene Faktoren an!
Wenn deine erste Begegnung mit dem Saiteninstrument mit Stahlsaiten (Western- oder E-Gitarre) erfolgt - ja, ich denke das ist wohl normal. Die Fingerkuppen eines ungeübten Anfängers sind sicherlich deutlich sensibler als bei jemandem, der schon seit Jahren mit der GItarre umgeht. Die Nervenenden sind empfindlich und brauchen 2-3 Wochen, bis das Gehirn die ungewohnte, sehr punktuelle Belastung auszublenden lernt.
Vermeiden lässt sich das leider nicht (bei Temu gibt es Plastik-Fingerkuppen für diesen Zweck, LOL), aber wenn du tapfer dran bleibst kann ich dir versprechen, dass es nachlässt. Insbesondere mit dicken Stahlsaiten, wie sie typischerweise mit einer neuen Akustik-Gitarre ausgeliefert werden (0.012 / 0.013er Satz) musst du tapfer sein und durchhalten.
Wenn du die Möglichkeit hast für die ersten Lernschritte auf eine Klassik-Gitarre mit Nylonsaiten auszuweichen - dann tu das ruhig. Denn gerade am Anfang hast du eine Menge "Baustellen", die alle auf einmal auf dich einprasseln: Haltung linke Hand, Haltung rechte Hand, Sitzposition, Fingersätze, Tabulaturen oder Noten mitlesen etc.
Also: Ja, die Finger tun weh; durchhalten!
Wie lange dauert es, bis Hornhaut entsteht?
Sollte man trotz Schmerzen weiterüben?
Ja, denn vom Vermeiden werden weder die Finger unempfindlicher, noch bildet sich die benötigte Hornhaut. Da musst du tapfer sein und durchhalten. Das betrifft nicht nur die Fingerkuppen, sondern auch (vermutlich in den darauffolgenden Lernschritten) auch die Muskulatur der Finger (befindet sich im Unterarm) und, wenn du "richtig" trainierst, auch der dicke Daumenbobbel-Muskel. Barréakkorde - insbesondere auf den unteren Bünden, wie F-Dur oder H-Moll - brauchen eine trainierte Muskulatur, um den doch recht hohen Druck über alle Saiten zustande zu bringen. Langsam, aber stetig aufbauen, denn "mit Gewalt" erreichst du eher das Gegenteil.
Einzige Ausnahme: du bemerkst einen stechenden Schmerz im Handgelenk oder vielleicht sogar im Ellenbogen. Das deutet auf eine Überbelastung einer Sehne hin und kann in Ausnahmefällen zu einer saftigen Sehnenscheidenentzündung führen. Da hast du dann länger was davon. Sollte also so ein stechender Schmerz auftreten, solltest du deine Spielhaltung korrigieren oder einen Profi konsultieren, der dich dann vermutlich deutlich besser beraten kann als ein nameloses, gesichtsloses YouTube-Video.
Solange es nur "Finger tun weh" ist - alles in Ordnung. Das vergeht bald!
Hilft eine leichtere Saitenstärke?
Ja, eine leichtere Saitenstärke hilft da durchaus. Bei Western-Gitarren (meist mit Standard-Saitensatz 0.012 ausgestattet) kannst du meist bedenkenlos einen 0.011er Satz aufziehen. Einen 0.010er Satz oder dünner musst du experimentell behandeln, da für dünnere Saitensätze der Hals der Gitarre gerade und sauber eingestellt sein muss, und auch der Sattel eine passende Kerbung aufzuweisen hat.
E-Gitarren werden vielerorts ohnehin mit mit 0.009er Satz ausgeliefert. Hier gilt das Gleiche: 0.008er Sätze müssen der Halsneigung, Kerbung etc. entsprechen (oder dahingehend vom Profi eingestellt werden). Bei Gitarren mit Tremolo-(Whammy Bar) System solltest du beim empfohlenen Saitensatz des Herstellers bleiben, wenn du nicht wirklich Ahnung vom Einstellen einer E-Gitarre hast.
Klassik-Gitarren kennen verschiedene Spannungen (und somit Stärken) in den Saitensätzen: Low Tension, Medium Tension und High Tension. Low oder Medium Tension Saitensätze sind weicher, kommen deinen Anfänger-Fingern also durchaus entgegen. High Tension oder gar Carbon-High Tension Saiten sind dünner, haben also eine hohe Spannung die dir als Beginner unangenehm sein können. Allerdings können gerade Carbon-Saiten deiner dumpf klingende Fichtendecken-Gitarre zu neuer Brillianz verhelfen!
Basic-Grundhaltung
Um mit der linken Hand das Training von Fingerläufen oder Akkorden überhaupt sinnvoll beginnen zu können, hier ein paar kurze Richtlinien:
• Die Fingernägel der linken Hand müssen so kurz sein, dass du die Finger rechtwinklig auf die Saite stellen kannst. Dabei muss der Finger nur so viel Druck aufbringen um die Saite auf dem nächsthöheren Bundstäbchen zuverlässig aufzulegen. Bevor der Fingernagel auf das Griffbrett trifft!
• Die Finger der linken Hand gehören auf die Vorderseite des Griffbrettes - in voller Länge. Das merkst du daran, daß das Zeigefingergelenk an der Hand-Seite auf der Vorderseite des Griffbrettes sichtbar bleibt.
• Die Gitarre sitzt auf dem linken Bein, der Hals der Gitarre wird so gewinkelt, dass die Kopfplatte in Schulterhöhe sitzt (~45°).
Weitere Themen:
Du bist unsicher, ob deine Schmerzen normal sind oder ob deine Haltung nicht stimmt?
Dann schick mir kurz eine Nachricht. Ich kann dir ehrlich sagen, ob ein kleiner Technik-Hinweis reicht oder ob persönliches Feedback sinnvoll wäre.


